GenerationenBeratung

Persönliche Vorkehrungen – wichtiger denn je!

Pflegereform, Null-Zins-Politik, Digitalisierung und Demographie sind die Schlagworte, die wir täglich zu hören bekommen. Doch auf was muss sich der Einzelne vorbereiten und welche Gefahr läuft er, wenn er es versäumt? Diese und weitere wichtige Fragen klärt die Expertin, Margit Winkler, Geschäftsführerin vom Institut GenerationenBeratung im Vortrag am 3. Mai 2017 bei der Volksbank Münsingen.


Das Institut GenerationenBeratung hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu den gesellschaftlichen Veränderungen zu informieren und Möglichkeiten entwickelt, die „Vorsorge einfach“ werden lässt. Diese komplexen Themen sind hier zusammengefasst zur vier Säulen der persönlichen Vorsorge:


1.    Vorsorgevollmacht
Es ist erschütternd zu begreifen, dass finanzielle Vorsorge alleine nicht ausreicht: Beispielsweise die Situation der Familie die mit einer Unfallversicherung gut vorsorgt und als es zum Unglück kommt, zahlt die Versicherung ohne Probleme aus. Da der Verunglückte es aber versäumte, eine Vorsorgevollmacht zu erteilen, landet das Geld auf einem Sperrkonto. Die Folgen sind fatal: die Frau braucht ein Auto: 300.000 Euro auf dem Konto, aber sie kommt nicht dran! Die Kinder wollen den Führerschein machen und auch dafür kann das Gericht das Geld nicht freigeben.
Wer keine Vorsorgevollmacht errichtet, mutet seinen Angehörigen zu, dass das Gericht bei Entscheidungen das erste Wort hat. Denn dann kommt es zur Betreuung und egal, wer diese durchführt das Gericht bestellt und kontrolliert. Handelt es sich um einen Berufsbetreuer, so ist dieser in aller Regel auch für die Finanzen verantwortlich und wird als erstes die Bankvollmacht für den Partner streichen. Dann ist es auch für ihn vorbei mit der eigenen Freiheit.
Voraussetzung für die Erteilung einer solchen Vollmacht ist unbegrenztes Vertrauen. Wer also eine Vertrauensperson hat, sollte diese auch bevollmächtigen. Gerade durch unsere moderne Lebensführung mit Patchworkfamilien und älteren Singles sind Maßnahmen wichtig. Individualisierte Vollmachten leisten wertvolle Dienste und finanzielle Vorkehrungen sind wegen Interessenskonflikten besonders wichtig.


2.    Patientenverfügung
Bei der Patientenverfügung geht es um den medizinischen Willen für einen Zeitraum, in denen wir uns nicht mehr äußern können. Die Errichtung ist nur eine Frage der Fairness, um den Bevollmächtigten zu entlasten.
Wer das versäumt, der bürdet seinen Vertrauenspersonen auf, im ärztlichen Gespräch den mutmaßlichen Willen herauszufinden. Dies kann folgenschwer sein: Besonders dramatisch ist es in den Fällen, in denen Kinder vor ihren Eltern sterben. Im konkreten Fall lag die Ehefrau, Mitte fünfzig, aufgrund eines Hirnschlages im Koma. Der Ehemann teilte den zuständigen Ärzten mit, dass seine Frau Komapatientin sein wollte. Die Ärzte handelten entsprechend. Die Mutter der Frau konnte und wollte nicht verstehen, was geschehen war und beschuldigte in ihrer Verzweiflung den Schwiegersohn.
Bei neuen Patientenverfügungen kann festgelegt werden, dass man in solchen Fällen möchte, dass erst nach einer vereinbarten Zeit und wenn keine Besserung eingetreten ist, lebensverlängernde Maßnahmen beendet werden sollen. Solche und weitere Ergänzungen sind zeitgemäß und zeigen, dass unsere Gesellschaft sich intensiv damit befasst.


3.    Liquidität in der Zeit der Pflege - Elternunterhalt

Das neue Pflegereformgesetz unterstützt vor allem die ambulante, also häusliche Pflege. Bei der Pflege im Pflegeheim wird der Pflegeaufwand von der Pflegekasse getragen und der Bewohner zahlt die Hotelkosten plus Investitions- und Ausbildungsrücklagen. Was nun einfach und logisch erscheint, wirft in der praktischen Anwendung folgendes Problem auf: Der Preis des Hotels (Pflegeheim) ist nicht nur von Lage und Komfort abhängig, sondern von den Pflegegraden der anderen Bewohner. Die monatlichen Zahlungen der Pflegekassen steigen also dann, wenn viele Gäste in den oberen Graden eingestuft sind. Die Zahlungen aller Bewohner für die Hotelkosten fallen dann geringer aus.
Nicht nur im Hinblick auf Patchwork und Singles muss sich jeder auf hohe Kosten für seine eigene Pflegezeigt einstellen. Die Lebenserwartung laut Destatis liegt bei einer heute 50-Jährigen Frau bei weiteren 23 Jahren und heute Geborene werden circa 94 Jahre alt. Klar muss uns sein, dass wir in aller Regel die letzte Lebenszeit als Pflegefall verbringen. Manchmal nur wenige Jahre – häufig auch mehr als ein Jahrzehnt. Um die Finanzen hat sich der Bevollmächtigte zu kümmern und wenn keine Vollmacht besteht, übernimmt das der Staat in Form der Betreuung. Zuzahlungen im Pflegeheim belaufen sich auf mindestens 2.000 Euro im Monat und nur die wenigsten können das aus laufenden Einnahmen stemmen. Sind Kinder da, so müssen diese zahlen, sobald das Vermögen aufgebraucht ist. Dieses Problem muss jeder einzelne für sich lösen und ist bedeutender als jede Sterbegeldversicherung, denn es geht um die eigene Würde. Zahlt der Staat, sucht er die günstigste Möglichkeit. Müssen sich Kinder darum kümmern, bedeutet das häufig Streit.


4.    Testament

Oft erleben wir Personen, die auf das Berliner Testament vertrauen. In früheren Zeiten mag es gepasst haben und die Idee dahinter ist genial: Man möchte den Partner versorgt wissen, bevor die Kinder an der Reihe sind.
Doch bei Patchwork kann das bedeuten, dass das damit enterbte eigene Kind nichts bekommt und bei den vielen älteren Singles findet es eh keine Anwendung. Im Unterschied zu früher sind Leute häufig bis über achtzig Jahre bei bester Gesundheit, reiselustig, wollen sich nicht festlegen. Daher sind Lösungen gefragt, die Möglichkeiten der Flexibilität zulassen.
Das Vermögen kann man grundsätzlich in Immobilien und Geldanlagen unterteilen. Die Weitergabe von Immobilien erfordern häufig eine längere Zeit der Willensbildung. Für das Vermögen als Geldanlage und in den Depots ist Ihre Bank der Ansprechpartner, der auch außerhalb des Testaments mittels gängiger Vertragsgestaltungen den Willen über den Tod hinaus festhält. Dies kann sowohl in der Höhe als auch der Begünstigte kostenfrei wieder geändert werden. Das macht die Gestaltung außerhalb des Testaments so attraktiv. Auch hier sollte man sich klar sein: Wer nichts unternimmt, für den hat der Staat eine Lösung und es bilden sich in aller Regel Erbengemeinschaften, die die Freiheit jedes Einzelnen einschränkt.